Stiftung
»Phantastische Bibliothek Wetzlar«
gegründet

Dieser Bericht stammt von der Phantastischen Bibliothek Wetzlar, bearbeitet von Friedhelm Schneidewind.

Am 14. Februar 2006 haben 19 Freunde der Phantastischen Bibliothek Wetzlar eine Stiftung bürgerlichen Rechts errichtet, die künftig die Bibliothek tragen und weiterentwickeln wird.

Die Phantastische Bibliothek Wetzlar arbeitet als wissenschaftliche Bibliothek mit öffentlichem Charakter und ist mit einem Buchbestand von knapp 150.000 Titeln die weltweit größte öffentlich zugängliche Bibliothek des Sammlungsgebiets Phantastische Literatur. In Deutschland ist sie die einzige Bibliothek mit diesem Sammlungsschwerpunkt, und sie verfügt über Raritäten, die nirgendwo sonst zu finden sind.

Die im Jahre 1987 vom damaligen Wetzlarer Oberbürgermeister Walter Froneberg ins Leben gerufene Phantastische Bibliothek war zunächst als Abteilung der Stadtbibliothek Wetzlar geführt worden, wurde aber ab dem Folgejahr aufgrund ihres raschen Wachstums und ihres großen Zuspruchs als eigenständige Abteilung der Stadtverwaltung unter Leitung der Diplom-Bibliothekarin Bettina Twrsnick geführt. Von Anfang an wurde die Bibliothek von einem Förderkreis begleitet, dessen langjähriger Vorsitzende der verstorbene Landtagsabgeordnete und Wetzlarer Stadtverordnete Wolfgang Kühle war und heute der Gießener Anglistik-Professor Raimund Borgmeier ist; zusätzlich wurde die Bibliothek von der von Thomas Le Blanc im Jahre 1992 errichteten Phantastik-Stiftung unterstützt. 1996 zog die Phantastische Bibliothek vom Domplatz in ihr heutiges Domizil am Friedrich-Ebert-Platz um.

Die Phantastische Bibliothek Wetzlar wird von WissenschaftlerInnen aus ganz Europa genutzt, ebenso von SchülerInnen und LehrerInnen aus Hessen. Sie ist einerseits eine wissenschaftliche Einrichtung mit regelmäßigen mehrtägigen Kongressen, Doktorandenkolloquien, einer eigenen Publikationsreihe, Auftragsforschung und umfangreicher Beratungsarbeit, andererseits mit ihrer Abteilung »Zentrum für Literatur« eine Akademie für Lese-, Literatur- und Sprachförderung mit vom Hessischen Kultusministerium zertifizierten Fortbildungsangeboten für Lehrende, ErzieherInnen und Eltern, in denen innovative Konzepte im Bereich Lesemotivation und Literaturkompetenz entwickelt und gelehrt werden. Nach diesem Vorbild ist auch die »Akademie für Leseförderung« der Niedersächsischen Landesbibliothek in Hannover gegründet worden, und an ihren Bildungskonzepten für leseschwache Kinder orientieren sich mittlerweile sogar Bibliotheken in Brasilien.

Da die Phantastische Bibliothek mit diesem umfangreichen Angebot sowohl Landesaufgaben erfüllt als auch die regionale Wirtschaft in Sponsorkonzepte einbindet, sind diese Bereiche in der Vergangenheit nicht über die Stadtverwaltung, sondern über den Förderkreis und die Phantastik-Stiftung abgewickelt worden. In den beiden vergangenen Jahren war die Bibliotheksleiterin die einzige städtische Angestellte, alle weiteren MitarbeiterInnen waren bei den beiden Mitträgern beschäftigt. Diese Konstruktion mit geteilter Verantwortlichkeit, die in den Anfängen der Bibliothek sinnvoll und praktisch war, führte zuletzt zu großen Synergieverlusten und Unklarheiten in der Verantwortung nach außen und zeigte sich für die gewachsene Bedeutung der Bibliothek als nicht mehr zeitgemäß. Vor drei Jahren wurde deshalb damit begonnen, eine neue Rechtsform für die Bibliothek zu finden und die bisherige geteilte Trägerschaft in eine einheitliche zu überführen. Nach intensiven Verhandlungen zwischen den FreundInnen und Fördernden der Bibliothek und der Stadt Wetzlar wurde ein Modell entwickelt, das die Übergabe der Bibliothek an einen neuen Träger vorsieht, dem die Stadt für die Erfüllung der Kernaufgaben den Finanzbetrag zuweist, den die Stadt in den vergangenen Jahren für diese Einrichtung aufgebracht hat.

Zum Bild der StiftungsgründerInnen (94 KB)

Die auf der Gründungsversammlung anwesenden 15 der 19 StifterInnen – bei Klick auf das Bild sieht man das Bild vergrößert und die Namen (94 KB).
Als neuer Träger wurde am 14. Februar 2006 die Stiftung bürgerlichen Rechts mit dem Namen »Phantastische Bibliothek Wetzlar« errichtet. Dazu haben 19 Personen sowohl aus Wetzlar und Umgebung als auch aus ganz Deutschland aus ihrem privaten Vermögen Stiftungskapital eingebracht, so dass gemeinsam mit der bereits vorhandenen Stiftung ein Vermögen von 400.000 Euro zur Verfügung steht. In der Gründungsversammlung wurden Thomas Le Blanc und Bettina Twrsnick zum Vorstand der Stiftung bestimmt, der Aufsichtsrat besteht aus Wolfgang Hofmann (Vorsitzender), Elfriede Geier, Christiane Le Blanc-Schmidt, Falko Löffler und Wolfgang Thadewald. Alle Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder sind zugleich auch StifterInnen. Alle Aufgaben der Phantastischen Bibliothek werden somit ab sofort aus einer Hand angeboten.

Die Bibliothek hat damit die Chance, sich als Wissenschafts-, Bildungs- und Kulturinstitution weiter zu profilieren und kundenorientiert ihre Angebote auszubauen. In der aktuellen Umbruchepoche von einer Produktions- zu einer Informationsgesellschaft stellt die Phantastische Bibliothek für Wetzlar, für die Lahn-Dill-Region und für Hessen einen nicht zu unterschätzenden harten Standortfaktor dar.

Die neue Trägerschaft gibt der Bibliothek auch endlich die Möglichkeit, weitere angebotene Buchbestände zu übernehmen, den wissenschaftlichen Katalog aufzubauen, weitere Räumlichkeiten für den wachsenden Bestand und vor allem die immer stärker nachgefragten Fortbildungsangebote zu finden, das wissenschaftliche Personal zu erweitern und neue Angebote in den Bereichen Auftragsforschung und Bildung zu entwickeln.

Die Rechtsform der Stiftung ermöglicht es, zwar unternehmerisch zu denken, aber weiterhin gemeinnützige Ziele zu verfolgen. Die Stiftung Phantastische Bibliothek arbeitet nicht gewinnorientiert, sondern wird weiterhin allen Menschen in ihren wissenschaftlicher Arbeit, in ihrem kulturellen Interesse und in ihrer persönlichen und beruflichen Fortbildung unterstützen. Der Zugang zu den Büchern wird unverändert kostenfrei sei.

Auch ist die Stiftung offen für ZustifterInnen und PartnerInnen, mit denen gemeinsam gearbeitet werden kann. An dieser Stiftung und vor allem ihrer hohen Dotierung zeigt sich ein großes bürgerschaftliches Engagement: Hier haben BürgerInnen dieser Stadt und auswärtige FreundInnen der Bibliothek nicht bloß mit ehrenamtlicher Arbeit, sondern mit der Einlage eigenen Vermögens gezeigt, dass sie den Fortbestand einer wichtigen Einrichtung sichern wollen. Insoweit möchte die Stiftung auch Anregung und Vorbild für ähnliche Initiativen sein.

Phantastische Bibliothek
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