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Faramir zu Gut und Böse

In der Extended Version des zweiten Filmes, »Die zwei Türme«, gibt es einige interessante neue und ergänzte Szenen, darunter die letzte Szene auf der ersten DVD (Nr. 30), in der Frodo und Sam von Faramir und seinen Männern gefangen genommen werden.

In dieser ausführlichen Fassung äußert sich Faramir gegenüber den Hobbits über die Motivationen eines erschlagenen Feindes und darüber, dass dieser verführt und manipuliert worden sein könne (im Buch sind das Sams Gedanken). Die sehenswerte Szene widerlegt nebenbei die in letzter Zeit manchmal geäußerten Vorwürde, Jackson habe in seinem Film rassistische Tendenzen (der Erschlagene ist übrigens auch weiß).

Außerdem ist es aus meiner Sicht interessant, dass Jacksons Interpretation der Motive und die Relativierung der moralischen Verurteilung eines Gegners ganz auf der Linie liegt, die ich in meinen Vorträgen »Das Böse bei Tolkien« und »Rassismus im Werk von Tolkien?« vertrete. Dadurch kann ich diese Szene in Zukunft als Illustration meiner Argumentation heranziehen ...

Nachdenkenswerte Zitate aus DER HERR DER RINGE

»Ich wollte, es hätte nicht zu meiner Zeit geschehen müssen«, sagte Frodo. »Das wünschte ich auch«, erwiderte Gandalf, »und das wünschen alle, die in solchen Zeiten leben. Aber nicht sie haben zu bestimmen. Wir können nur bestimmen, was wir mit der Zeit anfangen, die uns gegeben ist.«
DER HERR DER RINGE I/2, S. 70: Der Schatten der Vergangenheit

»Viele, die leben, verdienen den Tod. Und manche, die sterben, verdienen das Leben. Kannst du es ihnen geben? Dann sei auch nicht so rasch mit einem Todesurteil bei der Hand.«
Gandalf, DER HERR DER RINGE I/2, 80: Der Schatten der Vergangenheit

Er fragte sich, wie der Mann wohl hieß und wo er herkam und ob er wirklich ein böses Herz gehabt hatte, oder welche Lügen oder Drohungen ihn zu dem langen Marsch von seiner Heimat veranlasst hatten; und ob er nicht in Wirklichkeit lieber in Frieden dort geblieben wäre.
Samweis Gamdschie, DER HERR DER RINGE IV/4, S. 728: Kräuter und Kaninchenpfeffer

»Krieg muss sein, solange wir unser Leben verteidigen gegen einen Zerstörer, der uns sonst alle verschlingen würde; aber das blanke Schwert liebe ich nicht um seiner Schärfe willen, den Pfeil nicht um seiner Schnelligkeit willen, den Krieger nicht um seines Ruhmes willen. Ich liebe nur das, was sie verteidigen.«
Faramir, DER HERR DER RINGE IV/5, S. 740: Das Fenster nach Westen

Zitate aus: Tolkien, John R. R. (Übersetzung: Margaret Carroux, bearbeitet von Lisa Kuppler)
Der Herr der Ringe
Leinengebundene Ausgabe in einem Band mit Anhängen
Klett-Cotta, Stuttgart 2009

seitenidentisch mit der l
edergebundenen Ausgabe in einem Band im Schuber mit Anhängen
Klett-Cotta, Stuttgart 2008